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   28.01.14 20:25
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Sie, Er, Es.

Keine Ewigkeit und keine Sekunde verstrich, bis zu dem Punkt, an dem sie sich aufrichtete. Ihr Blick galt dem Horizont. Eine Stimme so leise, ein Fluestern, fast ein ersticktes, erloschenes Keuchen: “Der Horizont ist nur eine Linie, die zurueck weicht, wenn man sich ihr naehert. Jeder Versuch sich ihm zu naehern, bringt einen weiter weg. Jeder Versuch etwas zu sein, was man sein will, bringt einen weiter weg von dem, was man wirklich zu sein scheint.” Sie pausierte. Eine Szene, wie aus einem Film. Das Einzige, das fehlte, war das leise Streichorchester im Hintergrund, um die Tiefe der soeben ausgesprochenen Worte, zu unterstreichen. Ein Windhauch voller Leere und Fuelle. “Meine Meinung nach wurde uns ein Weg vorgeschrieben, ein Weg, der dem Horizont - unserem eigenem Horizont - entgegen fuehrt.” “Und was ist das Ziel?”, fragte ich. Sie antwortete nicht. Das machte sie oft; warten, Worte suchen und ohne Eleganz, ohne Eloquenz Saetze sprechen, die nich fuer diesen Augenblick schienen, nicht aus diesem Koerper kommen duerften. “Es gibt kein Ziel und wenn, dann waere es ein unglaublicher und unerfuellbarer Absolutismus unser einer Selbst. Na komm”, sprach sie, waehrend sie fast springen, aufgestanden war und mir ihre Hand reichte. Diese Gespraech hat nie stattgefunden, sollte diese Geste mir bedeuten. Du bist zu nah dran gekommen, sprachen ihre Augen. Ohne ihre Hand zu ergreifen, rappelte ich mich auf, sah ihr nicht in die Augen. “Okay”, antwortete ich auf die Aussagen, die sie nicht aussprach, aber da waren. “Begleitest du mich noch mit zum Kiosk? Meine Lungen trocknen noch aus”, fragte sie, als waere nichts gewesen. Es war aber etwas. Nicht jetzt, aber gerade war etwas gewesen. “Natuerlich. Koennte mir nie verzeihen, in ein paar Tagen die Anzeige ‘Maedchen tot wegen zu weniger Energie-Drinks’ zu lesen”, witzelte ich leicht monoton. Sie war vieles fuer mich, doch erlauben konnte sie sich auch nicht alles. “Spitze”, stieß sie aus und trug ihren Koerper in Richtung Stadt, Richtung Kiosk, die Arme wie immer leicht vor der Brust verschränkt, sich schützend vor dem langsam kälter werdendem Wind. Sommer war es schon lange nicht mehr. Die sonst wärmenden Strahlen der hoch am Himmel stehenden Sonne trafen uns nicht mehr. Nur noch Licht, nur noch Schein, keine Wärme, keine Nähe. Blätter lagen noch nicht auf dem Boden, drohten aber schon von den dünnen Ästen der Bäume zu fallen und die Wege in ein Farbenspiel aus rot, orange, gelb und braun zu verwandeln. Der Weg zum Kiosk war nicht lang, vielleicht zehn Minuten zu Fuß. Es schien wie nichts, dass wir kein Wort wechselten, keinen Gedanken austauschten.
31.1.14 05:32
 
Letzte Einträge: Blaue Flecken, She is not me!, Angst & doch Begierde


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